Kosovo, Nr. 2

16/09/2019

Zeit ist absolut unzuverlässig hinsichtlich ihrer Fühligkeit, das wird mir in Prishtina sehr bewusst. Auf, auf, die zweite Woche schildern, bevor sich auch dieser Tag aus dem Staub macht. Schnell per random choice ein paar Bilder vom Fotoapparat ins Netz gezogen. Mich mit der Zeit solidarisierend, gebe ich heute die unzuverlässige Erzählerin.

Jüdischer Friedhof, zerborsten.

Jüdischer Friedhof, zerborsten.

Ein zerbrochenes Schneckenhaus auf dem ebenso zerbrochenen jüdischen Friedhof über der Stadt. Bin hinauf gewandert und gewandert, einen undeutlichen Straßenplan in der Hand, habe mich grandios verlaufen. In eine, zwei, fünfzehn Kurven hinein verlaufen, die mir mehr gezeigt haben als der direkte Weg es gekonnt hätte, und das ist immer so. Parkanlagen, immer schönere Häuser, fast fertig Gebautes, Bäuerliches. Unglaublich weiche Luft für alle. Der Friedhof nur ein Rudiment, es gäbe nüchterne Bilder zu zeigen, ich zeige dieses. 

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Kosovo, Nr. 1

08/09/2019

„Prishtina has no river“ heißt das Artist-in-Residence-Programm, für das ich mich vor einem halben Jahr bei Qendra Multimedia beworben habe. Meine Bewerbung war erfolgreich, die Residence ist angetreten. Ich sitze an einem Küchentisch in Prishtina und schreibe diesen ersten Bericht, am Abend des siebten von achtundzwanzig Tagen, die ich im Kosovo verbringen werde. Sieben Tage sind schon vergangen, warum, wohin?

Prishtina hat zwar keinen Fluss, dafür diese wunderbaren Straßenmöbel.

Das ethnologische Museum wird renoviert, zu sehen war daher bei unserem Besuch nur ein Teil davon, ein typisches, altes, altes Haus. So wohnten früher wohlhabendere Leute, mit einem eigenen Eingang für die Gäste, denen das größte, schönste Zimmer vorbehalten blieb, darin ein Kasten immer frisch gefüllt mit Speise und Trank (falls Ankunft bei Nacht). Den Rest des Beitrags lesen »

Thanks a lot, Qendra Multimedia, for inviting me to be part of your artist-in-residence-program „Prishtina has no river“.

I love being here.

a.

28/08/2019


mit dir in diese stunde gehn
und alle sterne rot

ein jahr lang

länger

mars

 

 

Etwas zu lesen, das noch nicht veröffentlicht wurde, ist immer spannend. Die ersten Reaktionen auf den neuen Text (nicht lektoriert, nicht ganz fertig) – wie werden sie sein? Letztlich wird das Publikum in Hartkirchen nach diesem Blick in die Werkstatt mehr wissen, als meine Lektorin, die (mit den Fingern auf den Tisch trommelnd?) schon auf das Manuskript wartet.

Im zweiten Teil die „sichere Bank“: Ich lese aus den Wirtshausgeschichten meines Vaters. Denn Herr Peschka kocht nicht nur, er ist auch ein begnadeter Erzähler.

Summa summarum: Ich freu mich!

Raurissen, urassen

20/08/2019

Glockt der Kirchturm, glockt und glockt zur Messe, zur Segnung, zur Kommunion (hab’s vergessen, wann genau es glockt, das Katholische), glockt ins Zimmer herein, ins Gästezimmer im Gästehaus hinterm Wirt, wo wir haben: ein jeder eine Wanderhose, eine Ausgehhose, ein Geprotz.

(c) Kerl

Ein jeder seine Schuh fein säuberlich nebeneinander auf dem Balkon ausgelüftet. Ein jeder (und eine jede, die jede bin ich) ein Zahnbürstl im Zahnputzbecher, wir teilen diesbezüglich nicht.

Mit dem Glas vor dem Schlafen die Spinne einfangen, komm, lock ich, komm her. Fang’s! Der Kerl am Bett in Beobachtung, fang’s, sagt er, ich helf dir beim Rausschmeißen. Postkarte unterg’schoben, schnell ist’s, das Achtbein, ich erwisch es trotzdem. Ha, sag ich, schau, sag ich, hilf, sag ich. 

Wird eine schöne Nacht, eine sternenvolle, gipfelumsäumte, krautigduftige Nacht. Zum Schweigen schön könnt’s sein, aber zum Schweigen ist die Zeit nicht recht. Den Rest des Beitrags lesen »

… a birthday gift from a friend with whom I defied the icy wind in the streets of Budapest – more than 30 years ago.

Danke, Paul!

(If you wonder: Today I’m 52 years and 5 days old.)