Raurissen, urassen

20/08/2019

Glockt der Kirchturm, glockt und glockt zur Messe, zur Segnung, zur Kommunion (hab’s vergessen, wann genau es glockt, das Katholische), glockt ins Zimmer herein, ins Gästezimmer im Gästehaus hinterm Wirt, wo wir haben: ein jeder eine Wanderhose, eine Ausgehhose, ein Geprotz.

(c) Kerl

Ein jeder seine Schuh fein säuberlich nebeneinander auf dem Balkon ausgelüftet. Ein jeder (und eine jede, die jede bin ich) ein Zahnbürstl im Zahnputzbecher, wir teilen diesbezüglich nicht.

Mit dem Glas vor dem Schlafen die Spinne einfangen, komm, lock ich, komm her. Fang’s! Der Kerl am Bett in Beobachtung, fang’s, sagt er, ich helf dir beim Rausschmeißen. Postkarte unterg’schoben, schnell ist’s, das Achtbein, ich erwisch es trotzdem. Ha, sag ich, schau, sag ich, hilf, sag ich. 

Wird eine schöne Nacht, eine sternenvolle, gipfelumsäumte, krautigduftige Nacht. Zum Schweigen schön könnt’s sein, aber zum Schweigen ist die Zeit nicht recht.

Sind am Tag raufgefahren und hingefahren und abgebogen, den Weg kenn ich. Hat sich der Kerl beim Besuch – mit beiden Händen, ich schwör’s – die Kriacherl in den Mund geschaufelt direkt vom Strauch und aufgefordert dazu. Haben wir geurasst auch anders, den Hausmeisterpinscher und seine Frau, die Pinscherin mit dem Keppelzahn, auf dem Schoß. Sie verbellen uns die anderen Hunde in Hysterie. Die Großen wissen aber Wege, um die Neuen zu begrüßen, zu beschnofeln, zu bitten: Lass mich, darf ich? Ganz kurz nur den schweren Kopf auf deine Schulter legen? Du darfst, sagen der Kerl und ich im Wechsel und halten im Wechsel Fellleiber in den Armen.

Urassen! Will ich. Kein Geplänkel. Also nach hinten, zum Talschluss. Rauscht und rauscht und viele Kühe. Muss ich Angst haben? I wo. Tun nix. Wiederkäuen sich zum Abend hin. Noch ist Zeit. Noch gehen wir, den jüngsten Hund im Verbund. Schaut immer, wo wir bleiben. Lässt ihm keine Ruh. Zieht sich das Gespann aus Chefin (dem Frauerl), mir und dem Kerl zu weit auseinander, muss er vor und zurück laufen. Steckt mir, die in der Mitte geht, die Schnauze in die Schalenhand. Brav bist, sag ich, sei ein bisserl schlimm.

Die ganz Brave.

Glimmert der Boden, schiefert, sucht man nach Kristall automatisch und denkbefreit. Steigt über’s Rinnsal, und steigt und steigt, weil es ist mehr als eins. Weiß jetzt, das der Zwergwacholder weg muss von der Alm, wenn dort trächtige Kühe weiden. Weiß, wie man Flechten unterscheidet in giftig und nicht (das helle Mark). Weiß, dass sich die kleinen Blumen mit ihrem Blütenblätterring die Sonne bündeln. Weiß das. Und das. Und wie.

Der nächste Abend, der nächste Tag. In den Tälerbus hineingestopft vorbei am Spritzwasser. (Das Licht gleißt darin.) Danach, freigelassen, langsame Schritte. Kommt mir alles durcheinand. Soviel Glück.

Schau, sagt die Chefin, siehst das Auto? Die Glocknerstraße, ein anderer Talschluss. Uralte Hütten, halbverfallen, der Unterstand für’s Vieh. Da gehen s’ rein? Frag ich. Doch, doch, angefüttert. Und wenn’s ein Wetter hat, sowieso.

Sitzen, stehen, schauen. Zuhören. Urassen eben. Raurissen: In einen beliebigen Berg hineinschneiden. (Als ob ein Berg beliebig wär.)

(Danke: Nina, Toni, Vroni, Cäcillia, Dani und Peter. Und dem Kerl für’s Mitfahren.)

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