Ich geh den Lindwurm fotografieren. Ich tu, als wär ich fremder, als ich bin.

Schnell, Frau, schreib. Darüber, wie es ist, im Jahr danach in Klagenfurt einzufallen den Hunnen gleich, nein, welche Hunnen? Ganz brav per ÖBB angereist, ganz brav die knappen vier Stunden genutzt, Mails beantwortet, Lesung vorbereitet, am Aktionstag gefeilt, der mit Viktringer Schüler/innen über die städtische Bühne gehen wird. (Weil alle Städte Bühnen sind.)

Vorschriftsmäßig mit fallweisem Blick aus dem Zugfenster die Strecke abgefahren, ist noch keine zwei Jahre her, da war’s das erste Mal. Kurz drauf was gewonnen und – zack! – wird Klagenfurt die Westentasche. Kennt man sich aus in ihr wie in der eigenen.

Frau, schreib g’scheit: So schnell ging’s auch nicht, von wegen, zack.

Nix zack. Mai bis Oktober 2018 temporär Wohnung genommen im Europahaus, als Teil des Preises. Hat gut verdient, die ÖBB, an meinem Pendeln zwischen Wien und Kärnten und dem Eferdinger Schreibzimmer im Elternhaus. Zwischen Oberösterreich und Gemeindebau und Klagenfurter Dachschrägenatelier mit Holzstiegenabgang in den alt ummauerten Kleinmayrgarten. Wo ein Igel wohnt, ich weiß es. Wo sich junge Leut’ einschleichen und sind duldsam und geduldet hoffentlich. Den Rest des Beitrags lesen »

Stammbuch, 1974.

07/06/2019

Der Elke ins Stammbuch geschrieben.

Letztes Jahr lief mir Elke über den Weg, bei einer Lesung in Linz. Ich hätt sie fast nicht erkannt. Oder, ehrlich: Ich hab sie nicht erkannt, wie auch. Beide sind wir über fünfzi Den Rest des Beitrags lesen »

I brought four of my lyrical texts to Romania – all excerpts from my Text-Image-Sound-Work with Michael Hedwig and Rudolf Jungwirth. Being part of the Bucharest International Poetry Festival 2019 is a great experience, for which I am very thankful.

Prior to the trip, Geoffrey C. Howes (Ohio) translated the poems from German into English, with great sensitivity to their rhythm and melody. Also to thank him for this wonderful work, I want to present the translations here.

Two of six combined texts (2016)

Fries, 2016, Graphit auf Fabriano 250g, 101x876cm, Foto: Joanna Pianka, Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien, 09.06.2016

From the project Combinations: Frieze, Sound, Text (with Michael Hedwig / painter and Rudolf Jungwirth / composer)

Text # 3: speaking and screaming

and anyway: when we speak of speech. when we think, here, my remark, my talk, and my idiom are like the green land that hills up and faults into high mountains, bevels plunges down flattened to clear blue lakes, deep and dark, cold yet soon reaching shore climbing and gently lying down into a level field to take a rest. flatters and chases and some times pounces, that too.

and yet: it is the language we know.

and then comes the one which sands and dunes itself, which speaks to itself of euphrates tigris babylon and winds mesopotamically. which rises rainforestly between the leaves’ eternally moist heatshield and lightsteam, evaporates falls and crashes and crackles as soon as it meets with the desert. which wants something else beyond the other mouths and throat tongue palate-sail over the sea. and knob and ach and grr and oh so strange. so strange. Den Rest des Beitrags lesen »

Im Eferdinger Becken übersiedeln viele Gurkerl vom Feld ins industrielle Einmachglas. Ich hatte – weil in Eferding aufgewachsen – somit keine andere Chance, als dieses Bild wörtlich zu nehmen: sich lieber ein Gurkerl ins Knie zu schießen, als etwas Bestimmtes zu tun. Wie es wohl wäre, sich tatsächlich ein grünes Essiggurkerl ins Mädchenknie zu befördern per – ja, welcher Abschussmechanik? – überlegte ich und beließ die Angelegenheit im Ungenau der Fantasie.

Der Kaiser ist schuld.

Die Wahrheit ist viel banaler: Sportjargon. Ein Gurkerl oder Klapperl nennt man den zwischen den Beinen des Gegners durchgeschossenen Ball. Eine Demütigung, die sich steigern lässt, wenn angekündigt. (Vulgo: Das angekündigte Gurkerl.)

Aber wie kommt‘s, dass mir der alte Spruch einfällt? Der Kaiser ist Schuld. Er fordert meinen Widerstand heraus in Form von Werbung. Fragt darin seinen Obersthofmeister, wo die Leut wären. Bekommt die Antwort: Die neue Kundenkarte anmelden. „Brav!“, meint der Kaiser. Und schickt ihn fort, den Untergebenen. Wohin? Na anmelden, natürlich. Der Obersthofmeister springt auf, zackig: „Zu Befehl!“ Und weg ist er. Die Blätter fliegen. Den Rest des Beitrags lesen »

Anlässlich des heutigen Frauentages: Meine Rede zur Vernissage WEIBSBILDER – die Frauen der Künstlergilde Eferding stellen aus (April 2017)

"Progress" (c) Evelyn Kreinecker

„Progress“ (c) Evelyn Kreinecker (www.evelynkreinecker.at)

Weibsbilder

Bei meinem letzten Besuch in Eferding bin ich an dem leerstehenden Geschäft vorbeigegangen, das zum Raum Eurer Ausstellung aufgewertet wurde – und in dem ich nun meine Rede vorlese. Ich habe damals die Nase an die Auslagenscheiben gepresst, gespechtelt und gespäht. Im Halbdunkel die Schemen von Bildern, an die Wände gelehnte Kunst, bereit zum Aufhängen. Ich habe online nach den Künstlerinnen geforscht, mich durch Galerien geklickt. Den Rest des Beitrags lesen »

Der Watschenmann ist ein Glückskind. Meine Schwester hat mir zu seinem Erscheinen im Herbst 2014 ein Stofftascherl geschenkt, bedruckt mit vierblättrigem Klee und Marienkäfern – für das Lese-Exemplar.

Ein gutes Omen: Das aktuelle Glück des Romans ist, von Bérénice Hebenstreit (Regie) und Michael Isenberg (Dramaturgie) für die Bühne adaptiert worden zu sein, mit viel Hingabe und großer Sorgfalt, mit, was wahrscheinlich am wichtigsten ist, feinem Gespür für die Geschichte rund um Heinrich, Dragan und Lydia.

Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater

Katarina Klar, intensiv und präzise als Heinrich – und der ungemein wandlungsfähige Sebastian Klein als Elmer (Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater)

Die Premiere im Volx Margareten war vor einer Woche – und danach wurde und wird mir diese Frage immer wieder gestellt: Wie ist es, wenn der eigene Roman für‘s Theater inszeniert wird? Wie fühlt es sich an, im Publikum zu sitzen und die Figuren zu beobachten, die einem aus Herz und Hirn gekrochen sind vor ein paar Jahren? Den Rest des Beitrags lesen »

Im meiner 2019-Reihe Freundlich zitiert steht heute meine gute Freundin Ljuba Arnautovic auf dem Programm:

Zitat aus ihrem Romandebüt Im Verborgenen, erschienen 2018 im Picus-Verlag, Wien:

„Alles dreht sich jetzt nur noch um diese alte, rundliche und sehr strenge Frau, die eines der drei Zimmer in der Gemeindewohnung bewohnt, das zu betreten den Kindern verboten ist. Sie trägt nur dunkle Kleider, und selbst drinnen hat sie immer eine Art halbe Strickhaube auf, die ihren Hinterkopf bedeckt, weil sie nichts mehr zu fürchten scheint als Zugluft. Um ihren Hals hängen zwei lange schwarze Samtbänder, das eine mit einem großen silbernen Kreuz, das andere mit einer Lupe. ‚Großmutti‘ sollen ihre Enkelinnen sie nennen, weil sie die Mutti vom Vati ist. Aber die Mädchen wagen ohnehin nicht sie anzusprechen und meiden ihre Nähe, weil es ihnen dort seltsam eng zumute wird. Beim Verabschieden lässt es sich nicht vermeiden, dass die alte Frau ihnen mit harter Daumenspitze ein Zeichen auf die Stirn schreibt. Die Kreuzform hält sich lange als kalte Spur auf der Haut.“ (S 49 ff)