Kategorie: personal favorite oe1.orf.at
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Stodertal, Ewigschatten
Gegenüber hockt eine Taube im Abendlicht gerade so hinter der Dachkante, dass nur ihr gedrungener Oberkörper zu sehen ist. Sofern Tauben Oberkörper haben. Sie sieht sich die pfeiligen Schwalben an, folgt ihnen mit Kopf und Schnabel. Drei Äpfel liegen neben mir auf der Holzbank, erst dachte ich, sie wären so duftig, dann war es doch…
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Alles katzt heute
Oder: Das Band, das Band, an meiner Hand … Jetzt wird alles ruhiger, die Sonne ist fast ganz weg. Die Katzen auch. Darunter die eine, die an nackten Zehen kaut, wenn man sie lässt. Ein paar Schwalben sicheln sich noch durch den Himmel. Mücken umzingeln den Tisch, die Blumen schließen für die Nacht. Eine Amsel…
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Zwischen uns
Jahre und nichts A. sitzt mir gegenüber. Am anderen Ende des Raumes, auf dem Teppichboden, wie ich den Rücken an die Wand gelehnt. Wir sagen nichts, wir sehen uns an. Wir sehen in uns hinein, ernst, ruhig, jeder für sich. Das möchte ich. A. war aus der Welt und jetzt ist er wieder in ihr.…
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Draußen das wütende Heer
Unterm Dach und im Keller Nackt könnte man sein. Das Haus schläft noch tiefer als sonst, ihm reicht ein Atemzug alle paar Tage, ein Blauwal am Meeresgrund und du in seinem Herzen. Die Wilde Jagd zieht übers Land, draußen das Wütende Heer. Drinnen, da Raunacht ist, das rituelle Räuchern. Sanft. Besänftigend. Du stehst da, im…
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Muscheln und Steine
Man trägt Getöse durch die Stille Wieder sollte es ruhiger sein. Was treibt, ist die Sehnsucht, was bremst, ebenso. Ruhig geht man durch die Straßen, durch den Morgen, den Schlaf im nachtschweren Nacken, grau innen und grau außen mit schwarzen Rändern. Die sich auflösen sollten, denkt man und dann gleich: Bitte nicht. Bitte nicht auflösen,…
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Flieg, Dostojewski, flieg!
Am Ende ist nichts geordnet Ich nehme. Meine Bücher, meine Bänke, meine Polstermöbel und werfe alles auf die Straße. Der Tisch fliegt hinterher, ein Drachen aus Holz, dem das Segeln nicht gelingt. Ich nehme. Die Bildung, die ich nicht habe, die Wörter, die mir fehlen, die Geduld, die sich verbirgt. Und stelle alles, in Müllsäcke…
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Wir sind Schweine
Gebt mir Vulkanausbrüche und große Kometen Auf der Suche nach einem windstillen Platz. Durch Wien getrieben, den Bus angestarrt, eingestiegen. Im alten AKH liegen Frauen in der Wiese, barfuß, sonnen ohne Sonne. Die zieht sich Wolken vors Gesicht. Kein Regen. Aber der Wind, man kann nicht auf Bänken sitzen, ohne zu frieren. Weiter, die Strudlhofstiege…
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Das Unding Zeit
Nimm mich mit auf die Reise Die Zeit, dieses Unding, könne man sich vorstellen als etwas Körniges. Ein Granulat mikrowinziger Teilchen, unregelmäßig, ohne Norm. So, so ähnlich oder ganz anders. Nichts verstanden beim Zuhören, allein das Bild blieb hängen vom Körnigen, das uns umgibt, nach vorne, nach allen Seiten, rückwärts gewandt, nach innen – wir…
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Nachtlauf durch München
Ich laufe in mir mit mir mit München, sag ich, Du entkommst mir nicht. Nachts um halb zehn zwieble ich mich ein, Laufhose, dicke Socken, T-Shirt, Jacke, darüber etwas Ärmelloses, auf den Kopf die Haube, um den Hals den Schal, in die Tasche den rudimentären Plan der Innenstadt aus der Hotellobby. Drei Tage in der…
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Insekt unter Insekten
Urlaub bei den Eltern Bevor man sich in den Pool begibt, säubere man ihn mittels bereitgestelltem Käscher von toten und fast toten Insekten. Urlaub bei den Eltern. Der Pool ist ein aufgeblasenes Plastikrund, das Wasser brunzwarm. Also genau richtig. Ein Durchmesser von zweieinhalb Metern erlaubt das Treiben auf der Luftmatratze. Vögel singen. Die Nachbarkatzen verteilen…
