Was für eine Reise, meinte Barnabas, worauf Bohumil wie immer nicht antwortete, warum auch, war ja keine Frage. Die Nacht war in die Gassen gekrochen und trieb die beiden vor sich her. Was werden wir essen, heute, Bohumil? Barnabas hob die Hand und zählte ab: fast ganz frisches Brot, Tofu-Würste, Bio-Tomaten und Haferkekse, du weißt schon, die trockenen mit Nüssen. Bohumil schwieg und ging weiter, die Nacht im Nacken. Weißt du, Bohumil, vielleicht haben wir Glück und sie entsorgen die Getränke und wir trinken heute wieder Traubensaft, wie vor ein paar Tagen, das war ein Fest.

Barnabas trieb fröhlich um die Ecken, sein Frohsein war nicht abhängig vom Reden des anderen, nur da sein sollte Bohumil, hinter, vor und neben ihm, das Reden besorgte er schon selbst. Aber das Alleinsein wollte er nicht mehr besorgen, schon gar nicht in der Nacht, die an Bohumil hing wie ein Hund an der Leine. Ohne den anderen war da nichts zahm und nichts sanft, das wusste Barnabas und drängte den Gedanken weg, scheuchte die Dämonen die Hausmauern hinauf, indem er sich zu Bohumil drehte und ihn berührte. Ihm die Hand auf die Schulter legte. Sich beruhigte. Gerade wollte er wieder reden, da schnappte etwas kurz vom Haus herunter, das Licht flackerte, brizzelte, zuckte und zackte und setze aus, stob wieder an, zitterte über Asphalt und Beton, erlosch und tauchte die Welt ins Dunkel. Bohumil blieb stehen. Er seufzte und legte seine Hand auf die des anderen, die sich in seiner Schulter verkrampft hatte. So standen sie drei Sekunden. Vier Sekunden. Fünf. Ein Summen, ein Klicken und Klacken, das Licht kam wieder, verschämt zog es sich hoch an den Wänden zu den Lampen und Fenstern, hinter denen Feuerzeuge erloschen und Kerzen ausgeblasen wurden, die eben erst angezündet worden waren. Ein Kichern in der Luft. Die Barnabas laut einsog. Die Bohumil mit schweren Schritten teilte, den Druck noch auf der Schulter, aber die Nacht wieder an der Leine.

Schweigend gingen sie, drei Gassen grad, zwei rechts, vier nach vor, einmal quer durch den Park, ein wenig durch den Frühling, wie Barnabas meinte: Man könne ihn schon riechen, riechst du ihn, Bohumil? Aber der brummte nur, immerhin, ein Brummen war viel, meistens gab es nicht einmal das.

Auszug aus dem Text „Bohumil und Barnabas“, erschienen in „Die Rampe“ (2/10).