Grußbotschaft zum Junior-Bachmannpreis 2018

05/07/2018

Bisserl laut, bisserl unbeholfen, aber von Herzen.

Liebe Preisträgerinnen, liebe Jurorinnen, liebe Teilnehmerinnen am Junior-Bachmannpreis und liebes Publikum. Eine Botschaft wie diese ist natürlich einseitig, aber es ist eine Botschaft, nicht nur, was den Inhalt betrifft. Es geht immer auch um das Spiel mit Konventionen und Pflichten und Anforderungen.

In diesem Sinn: Nichts muss, nicht alles kann, vieles darf und noch mehr soll sein.

Das wusste ich nicht als Jugendliche, als Hauptschülerin, oder später, in der Handelsakademie, als ich versuchte, Gedanken lyrisch in Reime zu formen, ein Versmaß einzuhalten, durch prosaische Sätze eine besondere Tiefe zu erreichen. Das war wie ein Hinabtauchen zum Grund, ohne genug Atem zu haben, ein Auspendeln und Suchen. Das hört sich nicht dramatischer an, als es war, weil: Ich habe das zuweilen genau in dieser Dramatik erlebt. Aber auch das Gefühl, wie schön und erfüllend es ist, einen Ausdruck gefunden zu haben, eine Wortfolge, die mich beschreibt. „Mich“, weil etwas aus mir heraus Entstandenes.

Somit ist das Schreiben ein Erforschen, nicht nur der Umwelt, sondern der Innenwelt, was ein einsamer Prozess sein kann. Aber diese Einsamkeit lässt sich begleiten. Nach und nach habe ich Menschen gefunden, denen ich alles Geschriebene anvertrauen kann, deren Meinung ich akzeptiere, denen ich zuhöre und von ihnen lerne, im Gespräch und der Auseinandersetzung über den Text. Es sind nicht viele, aber eben solche, denen ich auch ganz roh-gefasstes vorlegen kann, oft nur mit der einzigen Frage versehen: Kommt etwas an von dem, was mich zu diesen Zeilen treibt?

Der Kern dessen, was ich sagen möchte, was mir mitzuteilen wichtig ist im Zusammenhang mit dem Junior-Bachmannpreis, ist allerdings, dass die erste Instanz bei der Beurteilung eines Textes immer du selbst bist. Ob mit 12 Jahren, mit 19, 36 , 51 oder 97: Du spürst schon, ob etwas gut ist.

Wird die eigene Ahnung von einer Jury mit einer Auszeichnung bestätigt, wunderbar! Den Sieg genießen, sich freuen, weiter so! Wird jedoch eine Geschichte, ein Gedicht, ein Entwurf abgelehnt, dann rate ich dazu: Die Kritik mit der Hand zu nehmen, nicht mit dem Herzen. Sie so nüchtern es geht zu betrachten, zu begreifen, was dahinter steckt und sie zu verstehen als das, was sie ist: Ein Blick von außen. Der das eigene Gefühl ergänzt, bestätigt, in Frage stellt, im besten Sinne eine Herausforderung zur Nichtanpassung.

Denn es ist tatsächlich so: Nichts muss, nicht alles kann, vieles darf und noch mehr soll sein.

Seid mutig, und lasst Euch keine Grenzen setzen, wo keine sind.

Liebe Grüße, wir sehen uns in Klagenfurt.

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