Ein pralles Weib möchte ich sein

31/08/2007

 

Ein pralles Weib möchte ich sein, innen wie außen, mit allem, was dazugehört. Wogende Brüste, dicke Locken und ein fettes Lachen. Eine Stimme, die Raum schafft, kubikmeterweise Raum, eine Stimme quasi, die Lufthoheit beansprucht und bekommt, ohne Diskussion. Hornhaut auf den Fußsohlen vom Barfuß gehen, und Ränder unter den Fingernägeln, weil ich einen Garten hätte, mit Brennnesseln, Unkraut, Basilikum und Zitronenmelisse, mit Bienen, Käfern, Ameisen und Regenwürmern, mit alten Bäumen, Himbeersträuchern und einem Feigenbaum mit großen Blättern, unter denen die Kinder spielen, weil, dann wär’s nicht bei dem einen geblieben.

Es wär‘ eine Schar kleiner Dreckspatzen, die nackert in die Pfützen hupfen und aus Schlamm Burgen bauen, am Abend, wenn ich mit meinem Mann und Freunden noch am Gartentisch sitze, bis spät in die laue Nacht, und während wir reden oder nix reden und über den Mond staunen, bauen die G’schrappen aus all dem Zeug, das sie im Garten finden, ein Nest für den Hund, der wedelnd daneben steht und sich nicht reinlegen will, ins Nest, der dumme Köter.

Dann, wenn alle gähnen, wenn sich die Freunde fröstelnd die Bäuche gerieben haben und heimgegangen sind (wir haben ihren Schritten und Stimmen hinterher gelauscht), dann wird’s Zeit zum Schlafengehen. Wir sammeln die Kinder ein, die mit ihren Dreck verschmierten Goscherln schlaftrunken durch den Garten taumeln, und tupfen sie hemdsärmelig mit spitzen Fingern in die Badewanne, eins nach dem andern. Großes Geplärre.

Großes Gekuschle. Bis alle schlafen. Der Tau zieht über die Wiese, der Mond über das Haus, irgendwo rührt sich schon ein Vogel im Gebüsch. Der meine greift nach mir und findet mich nicht gleich, weil ich noch am Fenster stehe, so als pralle Frau, mit breiten Hüften und einem runden Hintern und runden Schultern, und alles wär weich an mir, der Körper, das Wesen und das Denken. Vor allem das Denken. Weich und ausufernd.

Wär‘ ich so eine, dann würde ich in allen Teichen schwimmen, im kühlen, grünen Wasser, zwischen Insekten und Seerosenblättern, am Morgen schon. Ohne was an. Ich würde meinen Kaffee aus einem großen Häferl trinken und mit viel Milch, dazu den Kindern Brote schmieren mit Pflaumenmarmelade und es wär mir ganz egal, ob eine Fliege auf der Butter landet. Landet sie eben.

Die Kinder würden mich liebhaben und an meinem Busen kuscheln, oder mir atemlose Geschichten erzählen, von dem, der dann und dann hat der und dann hat die und weißt du? Dabei würden sie auf meinem Schoß sitzen und mit ihren kleinen Fingern an den Knöpfen meiner Bluse nesteln, so als würden sie der Bluse die Geschichte erzählen, und sie hätten keine Angst vor Wespen, Katzen, Ziegen und Kühen.

Wir würden gemeinsam Schnecken retten, Spitzwegerich sammeln und nach einem Gewitterregen ohne Schuhe auf die Straße laufen, nur um zu sagen: Oh, wie das riecht, riech mal!

Das alles, wenn ich’s wär.

One Response to “Ein pralles Weib möchte ich sein”

  1. Uschi Says:

    Wenn ich diesen Text lese sind alle meine Sinne aktiviert. Ich rieche die nasse Erde und die Regenwürmer die sich in letzter Sekunde vorm Ertrinken
    gerettet haben!
    Eine meiner Lieblingstexte.


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