Mein Glück mit dem Watschenmann. Was es bedeutet, den eigenen Romanfiguren auf der Bühne zu begegnen

07/02/2019

Der Watschenmann ist ein Glückskind. Meine Schwester hat mir zu seinem Erscheinen im Herbst 2014 ein Stofftascherl geschenkt, bedruckt mit vierblättrigem Klee und Marienkäfern – für das Lese-Exemplar.

Ein gutes Omen: Das aktuelle Glück des Romans ist, von Bérénice Hebenstreit (Regie) und Michael Isenberg (Dramaturgie) für die Bühne adaptiert worden zu sein, mit viel Hingabe und großer Sorgfalt, mit, was wahrscheinlich am wichtigsten ist, feinem Gespür für die Geschichte rund um Heinrich, Dragan und Lydia.

Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater

Katarina Klar, intensiv und präzise als Heinrich – und der ungemein wandlungsfähige Sebastian Klein als Elmer (Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater)

Die Premiere im Volx Margareten war vor einer Woche – und danach wurde und wird mir diese Frage immer wieder gestellt: Wie ist es, wenn der eigene Roman für‘s Theater inszeniert wird? Wie fühlt es sich an, im Publikum zu sitzen und die Figuren zu beobachten, die einem aus Herz und Hirn gekrochen sind vor ein paar Jahren?

Es fühlt sich richtig an. Die Begegnung mit Bühnen-Heinrich, Bühnen-Dragan und Bühnen-Lydia war genau das, eine Begegnung –  und keine Befremdung. Das wäre, wenn überhaupt, meine einzige Angst gewesen, die Figuren nicht zu erkennen. Sie war in der Sekunde verschwunden, als ich die Schauspieler/innen agieren sah, überzeugend und intensiv, mit großem G’spür für die jeweiligen Innenwelten ihrer Rollen.

Nach der Vorstellung umringten mich Freunde und Familie, die das Buch gut kennen, die sich ihre Bilder gemacht haben schon lang und nun vielleicht mit Argusaugen das Geschehen auf der Bühne beobachteten. Bereit für den Abgleich der eigenen Vorstellung mit der hier gebotenen Umsetzung. Sie waren bewegt und berührt, beeindruckt von der schauspielerischen Leistung, der auf’s Nötigste reduzierten Atmosphäre des Bühnenbilds von Mira König.

Sie diskutierten untereinander, was ich besonders schön fand, die neue Sicht auf den Watschenmann, die Weglassungen, die Konzentration auf Schlüsselszenen und den engsten Kreis der Figuren. Natürlich war nicht jede und jeder mit allem völlig einverstanden – der eine hätte sich etwas mehr Wiener Idiom gewünscht, die andere gern die Maridi-Tant gesehen, der dritte hätte den Boxkampf anders gelöst. Aber alle waren sich einig: Die Komprimierung des Romans ist gelungen. Das Theaterstück enthält und trägt und zeigt dessen Essenz.

Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater

Rainer Galkes Dragan (der hier den Heinrich hält) ist voller Nuancen und großer Hingabe. Im Hintergrund begleitet Hristina Šušak talentiert die Szene, ihre musikalische Interpretation ist ein wesentlicher Bestandteil der Inszenierung. (Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater)

Mir wurde gratuliert, als wäre das mein Verdienst. Gut, ich habe mit dem Roman die Vorlage geliefert. Aber die Gratulationen gebühren Bérénice Hebenstreit und Michael Isenberg, ohne die es zu einer Inszenierung nicht gekommen wäre.

Und sie gebühren dem großartigen Ensemble, das mich vergessen ließ, dass das, was auf der Bühne geschah, ein Schauspiel war: Katharina Klar (Heinrich), Rainer Galke (Dragan, Wirt, Schaffner), Birgit Stöger (Lydia, Genosse, Pritschlerin), Sebastian Klein (Elmer, Lichterl-Sigi, Kummerl, Egon Schlier, Schwester) und Hristina Šušak (Musik).

Ich glaube Ihnen jedes Wort. Und das ist doch ein großes Glück.

Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater

Birgit Stöger als wunderbar müde, hoffende, verzagende Lydia – derb und im Derben zart -, zwischen dem Serben Dragan und dem jungen Heinrich, der in ihren Schuppen gestolpert ist vor gut einem Jahr. (Fotorechte: © Christine Miess / Volkstheater)

Danke Euch! Und natürlich dem Volkstheater für die Entscheidung, den Watschenmann auf die Bühne zu holen.

Hier geht es zu weiteren Bildern und Informationen zum Stück: VOLX/Margareten – Watschenmann

Stellvertretend für die vielen guten Besprechungen verlinke ich hier auf Mottingers Meinung: Der Stunde Null den Mythos runtergeräumt

Die nächsten Watschenmann-Termine (weitere sind in Planung):

    • DI 12. FEB 2019, 20.00 Uhr (19.30 Uhr: Stückeinführung)
  • DO 28. FEB 2019, 20.00 Uhr
  • MO 4. März 2019, 20.00 Uhr
  • MI 6. März 2019, 20.00 Uhr

Volkstheater Spielstätte Volx Margareten
Margaretenstraße 166, 1050 Wien

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