vierfünfdreizehn
04/05/2013
fliegen tausendfach. fliegen. tausendfach. käfer, bienen, insekten, gegräse. blumen. dahinter rasenmähermotorlärm. am schornstein die amsel positioniert. verschluckt sich am ton, rülpst laute, zwitschert. am himmel erst nix, dann flugzeug, dann schall. die sonne zwickt. der wind. der wind. rauscht, weht und fängt. trägt höher die welt, höher. grün, von ästen durchzogen. schattiert, gelichtet, verdichtet. wolken mit dunklem rand. schwergebäuche. schiebt sich ins blau.
siebenundzwanzigsechszwölf
27/06/2012
ich ich ich. habe die trauer fern zu halten. schiebe zwischen uns gelb-orangen duft. himmelbäume. samt-nacht. zeige ihr den halben mond. zeige ihr lichtloses schattengrün. sie findet sich, sie findet mich. in dunklen wellen. sie findet sich, sie findet mich. in ebbe und flut. sie liegt an stirn und brust. gezeitigt mich. höhlt aus, unterspült. räumt, wäscht, raubt. schläft dann, eingegraben, den leichten schlaf der wachsamen. atme flach, sie nicht zu wecken. zumindest eine zeit.
elffünfzwölf
11/05/2012
jetzt ist die zeit, in der sich alles aus dem tag löst, einen schritt nach vorne tut und verharrt, bevor es in die nacht zurückweicht. diesen moment suche ich, diesen moment will ich haben. eines schreitet, das andere steht still. nichts atmet. dann tut das andere den schritt und dehnt sich kurz in den raum. die straßenbahn fährt über die brücke zur taborstraße, ich sehe nach rechts zum fenster, dort mischt sich rot und gold und blau mit nachtluft und wasser. sofort sehne mich, über’s leben hinaus.
vierundzwanzigvierzwölf
24/04/2012
weil das so ein wirbeln war, muss man den blick kaltmachen. wenn man durch die stadt fährt. und glaubt, es stünde einem zu, nackt zu sein. dann sprengt sich etwas, das nur weiß ist. es regnet die trümmer. man hält alles zurück. hört auf mit dem wollen. in meiner brust kreist das sehnen.
einundzwanzigvierzwölf
21/04/2012
wir stellten uns rücken an rücken, verschränkten die arme. ich lass‘ dich nicht fallen, sagte er, beugte sich vor und hob mich auf. bewegte sich ein wenig. meine arme, meine beine, alles an mir war schweres holz. die bewegung lockerte, was sich festgesetzt hatte. mit zurückgelegtem kopf war ich ein bogen, ein dach, von dem alles abfloß, die harten gesichter in der u-bahn, die raumlose enge der letzten zeit, die last, die ich nicht annehmen müsste und nicht ablehnen kann. es war fast, als hätte man mich aus einem fluss gehoben und ans ufer gelegt. mehr war nicht nötig an diesem tag.
siebzehnvierzwölf
17/04/2012
alles ist heut‘ langgezogen, das aufwachen zieht sich hin bis jetzt, bis zum abend. dazwischen der tag in seinen details: die straßenbahnen fuhren mit angezogenen bremsen, drinnen drehten sich gesichter in zeitlupe zum licht, aus dem licht, man hielt den atem nicht an, aber atmete aus und ein in dreifacher dehnung. knie schoben sich mir in den weg, taschen, menschen, geräusche, schleier und schatten. ich wollte aussteigen, als wir in der station ankamen, und ich kam immer noch an und wollte immer noch aussteigen, war schon zig-mal angekommen und ausgestiegen, als man endlich hielt. hinter uns drängte die verdichtete zeit oder der verdichtete tag, nahm mich ein und mit und dann. grab‘ mir ein loch in die brust. ich trinke schwarzen tee und wermut im wechsel, heiß und bitter. heute ist alles verwehrt, das aufwachen, das denken. wer weiß, wie es mit dem einschlafen sein wird.
siebzehnelfelf
17/11/2011
weiche nacht, gestreutes licht. die luft halte ich an. greife so, einfach so hinein mit meinem blick in diese, weißt du. in diese weiche nacht, in dieses gestreute licht. in die farben hinein. über dem fluss lila, ganz weit. und grün und rot. ich kann es nicht sagen. ganz weit. von unten tiefes lila nach oben, dann ohne übergang ins schwarz. darüber, mitten im schwarz, neon und schriften im himmel hängend, wo sie nicht hingehören. und selber? steh da mit offenem mund den nebel einatmend und einsaugend. ein wenig greife ich danach. nur ein wenig, ein klein, ja, ein klein. dann die andere straße mit diesem lichtbogen aus gold und gelb und hell in ihrer mitte. ein sich verstreuendes, verwischtes leuchten bis ans ende, wohin der blick nicht reicht. ein dach gefunkelt im ganz winzigsten funkeln. über rauchgleichem nebel hinsinkend und herabsinkend in mein haar. auf mein gesicht, auf den aufsteigenden atem. in den absteigenden atem sinkend, in mich hinein. wie ein mond darüber die bodenlose lampe, alles so fern und alles so unsagbar. ich wandere unter diesem klingenden tuch aus weicher nacht und gestreutem licht, groß ist mein glück. unfassbar greift es nach mir. und fasst mich.
zuhause, ich schlafe und wache auf, es ist dunkel. die nacht drückt ihr gesicht ans fenster. im morgengrauen kommt der tag, er nimmt die schlafende nacht in den arm, die kalt und klar geworden ist. er trägt sie fort. dann ist er fremd und fern.
einsneunelf
01/09/2011
geeist verreist versteinert. ein stab durch die mitte in den boden getrieben, an dem häng ich oder hängt er an mir. im dunklen eck vom dunklen zimmer. ineinander in sich, ineinander in mich verschachtelt, verdreht, verkeilt, verschränkt. verloren, verloren. verlier dich, sagt das große, verlier dich. dann schwindet am ende die dichte. im kleinsten. im kleinsten partikel verschwindet die dichte. im kleinsten drängt sich das milliardentausendfach im dunklen eck im dunklen zimmer, form mit angezogenen knien, das gesicht erhoben raus zum fenster den blick gehen lassen, zum orangen licht vor den finsteren bäumen, darunter nichts, darüber nichts aber. aber ich. wellen nach außen, wellen nach innen, ein, aus, in diesen kern, in diese weite, immer wieder. atmen. in diesen dichten kern, in diese weiche leere, diese weiche leere.
siebensiebenneun
07/07/2009
die luft riecht nach warmem asphalt. man muss einatmen und sich an etwas erinnern. eine frau mit goldenen sandalen, in kurzem rock und gelbem t-shirt, unter blauem schirm.
draußen, zwischen donner und regenschauern. wir, in der straßenbahn geschützt, sehen zu, wie sie sich bückt. die schuhe auszieht, barfuß weitergeht, grazil, eine vorsichtige katze. die nackten sohlen fast waagrecht aufsetzend, als könnte der nasse boden zu heiß sein. wir sehen ihr auf die bloßen füße und dann ins gesicht, was es zu erzählen hat.
außerdem.
ein junger mann flirtet mit mir. ich rette eine grille, sie war im stiegenhaus gefangen. hinter der fabrik wuchert der efeu wunderschön.
kunst, so sie ist, muss männern an die eier greifen und frauen ins herz. nein. frauen und männern hinter den solarplexus. das gehirn umgehen, sich dort nicht aufhalten. zupacken und umdrehen. dann gibts achterbahn. aber hallo.
ich bin glücklich. ich habe angst vor dem glück.





