Autor: Karin Peschka
-
Kind sein, nein danke
Erwachsenwerden tut nicht weh Mein Gegenüber will nicht ganz erwachsen werden, weil das tue weh. Schwachsinn, sag ich, nicht das Erwachsenwerden tut weh, sondern das Kind bleiben. Was haben die Leut‘ nur alle mit dem „bewahr dir was Kindliches?“ Sie behaupten, im Herzen Kind zu sein und sind’s stattdessen nur im Kopf. Diesen Kopf neigen…
-
Die Etikette des Tötens
Unterwegs in Sachen Mord und Totschlag Wenn du, fragt er, in deinen Texten die Leute ansprichst, bist du per Sie oder per Du? Immer per Sie, außer, der Text wendet sich an jemand bestimmten. (Meine Tasche riecht nach Brot, ich hab mich grad gebückt und den Notizblock rausgeholt. Da steht er, der Titel für diesen…
-
Mein Tod, mein Glück
Szenen einer arrangierten Beziehung Ich war zwanzig, als es hieß, ich hätte nur mehr zwei bis sechs Jahre. Die Leber würde versagen, früher oder später, was den Tod bedeute. Ach, wie war das süß. Der Arzt, ein Primar, hatte meinen Eltern die Nachricht verkündet. Ich war auch dabei. Er sprach von „der Karin“, von „ihrer…
-
Freitagabend, 20:00 Uhr
Die Stadt ist nass, die Straßen glänzen Freitagabend, 20:00 Uhr. Mache mich auf den Heimweg. Zuvor noch in der Fabrik den Geschirrspüler eingeräumt, haha, „Fabrik“, das sag ich nur so. Die „Fabrik“ ist Großraumbüro mit Schreibtischgrüppchen und Glaswänden, grauem Teppich, schwarzem Linoleum und vielen Menschen. Geschirrspüler einräumen an Freitagabenden ist fast Ritual. Auf Chaos folgt…
-
Frau Lugner und das Tier der Woche
Das Älterwerden ist ein Hund Frau Lugner zieht sich für „News“ aus und entdeckt ihre Weiblichkeit neu, was – so ihre Rede – in engem Zusammenhang mit einem frisch aufgefüllten Busen steht. Und dem überschrittenen 40er. So, und jetzt verkneifen wir uns jeden Zynismus. Nicht nur in Sachen Lugner, die gute Frau soll sich ausziehen,…
-
Boxen oder dicke Dackel
Im Schein der Lavalampe Der Russe boxt dem Ami mehr als eins auf die Nase und gewinnt daher den Boxkampf. Ideales Schwergewicht: Nicht zu groß, aber Masse. Sehr flott auf den Beinen, noch flotter mit den Fäusten. Und aggressiv. Meine Fresse. Samstag im TV, besser als Kino. Mittelgewicht ist vergleichsweise fad. Potemkin heißt er nicht,…
-
Nasenwürmer
Heißt es der oder das Nasenspray? Ich bin allein, allein, allein. An der Decke, im Eck, klebt eine Spinne. Dass ich den Kopf nach oben beugen kann, um sie zu betrachten, ist positiv. Als wir einander zum ersten Mal begegneten, seilte sie sich neben dem Bett ab. Verfolgt von meinen Augen. Mehr nicht. Kopfbewegungen verursachten…
-
Sanfte Welt
Ein Teil sehnt sich immer weg Vorgestern, am letzten Abend 2007, fuhr ich aufs Wien-nahe Land, mit Mann und dessen Vater im Auto, wie auf Eiern fuhr ich durch den Schneeregen auf rutschigen Straßen. „You drive very carefully“, sagte der alte Mann neben mir, im schwarzen Mantel, den Stock in der Hand, den Hut auf…
-
Messer und schwarzer Stein
Wir nähen ihre Münder zu Es lassen sich ja doch keine Ecken und Kanten in die Luft schneiden, keine Löcher zum zeitweisen Verschwinden. Aber. Einen schwarzen Stein hab ich in der Tasche und ein Messer und damit zieh ich durch die Straßen, zu Dir, mein Freund, und nehme Dich bei der Hand. Dezember ist, die…
-
Mein bohnengroßes Heimatstück
Mir träumte von Vampiren Letzte Nacht träumte mir, ich wäre ein Vampir. Seltsame Menschen gibt es im Übrigen genug. Am Samstagvormittag standen wir vor dem Bahnhof von Traiskirchen. Ein alter Mann kam aus einem Lokal. Trainingshose über dem dicken Bauch fast bis unter die Achseln. Kariertes Hemd. Er humpelte auf unsere Straßenseite. Stellte sich vor…
