Autor: Karin Peschka
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Sanfte Welt
Ein Teil sehnt sich immer weg Vorgestern, am letzten Abend 2007, fuhr ich aufs Wien-nahe Land, mit Mann und dessen Vater im Auto, wie auf Eiern fuhr ich durch den Schneeregen auf rutschigen Straßen. „You drive very carefully“, sagte der alte Mann neben mir, im schwarzen Mantel, den Stock in der Hand, den Hut auf…
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Messer und schwarzer Stein
Wir nähen ihre Münder zu Es lassen sich ja doch keine Ecken und Kanten in die Luft schneiden, keine Löcher zum zeitweisen Verschwinden. Aber. Einen schwarzen Stein hab ich in der Tasche und ein Messer und damit zieh ich durch die Straßen, zu Dir, mein Freund, und nehme Dich bei der Hand. Dezember ist, die…
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Mein bohnengroßes Heimatstück
Mir träumte von Vampiren Letzte Nacht träumte mir, ich wäre ein Vampir. Seltsame Menschen gibt es im Übrigen genug. Am Samstagvormittag standen wir vor dem Bahnhof von Traiskirchen. Ein alter Mann kam aus einem Lokal. Trainingshose über dem dicken Bauch fast bis unter die Achseln. Kariertes Hemd. Er humpelte auf unsere Straßenseite. Stellte sich vor…
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Die Kuh träumt
Dieser schöne, geile Schwachsinn Ich möchte. Sagt sie. Und schweigt dann wieder. Dem Taxler glühen die Ohren ein wenig. Wir fahren durch die Nacht, und führen fort, was wir zuvor begonnen haben. Meine Süße, sagt sie zu mir, dieses Weibsbild, und ich sag: Du Kuh. Du Gurke. Wir schauen uns an, dann auf die Straße,…
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Die Guten ins Töpfchen
Die andern sind uns egal Als Studierende an der Sozialakademie wurde mir einmal gesagt: „Karin, wenn du eine Seminararbeit präsentierst, erklärst du dir die Welt – und wir anderen sind zufällig auch dabei.“ Damals lernte ich einiges über das Lernen an sich. Dass es verschiedene Lerntypen gibt und welcher davon auf mich zutrifft, und dass…
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Mord im Gesicht
Wut für ein ganzes Leben Wenn ich jetzt beginne mit dieser Geschichte von der kalten Wut, die mich am Sonntag packte und bis heute immer wieder packt, obwohl schon spürbar schwächer, aber immerhin, wenn ich das jetzt beginne zu erzählen, dann könnte ich harmlos anfangen, den Text stricken mit dicken Nadeln und dickem Faden, ein…
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Mein Ramadan light
Weniger will ich werden Man geht so in den Tag hinein. „Ganz junge Blüte“, schrieb ich gestern, „hauchzart, mit golden, pfirsichfarbenen Blütenblättern“. Später, schrieb ich weiter, komme das Getrampel. Und dass man so lange an der Nacht herumschaben möchte, „bis der Tag durchschimmert an den wundgeschabten Stellen“. Dann hörte ich auf mit Schreiben, weil die…
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Rhythmusstörungstext mit Cliffhanger
Tag weg, Nacht da Diesen Text wollte ich gestern Nacht schreiben, viel zu spät, aber na ja. Am Abend kam das Mail, ob ich was vorbereitet hätte für heute, weil, da gebe es einen Rhythmus, demnach wäre ich an der Reihe. Ich hatte nicht. Jener besagte Rhythmus war mir etwas entglitten. Ich, forsch, schrieb zurück:…
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Ein pralles Weib möchte ich sein
Ein pralles Weib möchte ich sein, innen wie außen, mit allem, was dazugehört. Wogende Brüste, dicke Locken und ein fettes Lachen. Eine Stimme, die Raum schafft, kubikmeterweise Raum, eine Stimme quasi, die Lufthoheit beansprucht und bekommt, ohne Diskussion.
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Ich bin’s, dein Kardinal
Gott riecht nach Weihrauch Ein Kreuz liegt vor mir, geschnitzt von Menschen im Heiligen Land, aus dem Holz des Olivenbaums, ein Zeichen der Hoffnung sei es, schreibt Christoph Kardinal Schönborn, und wendet sich dabei an meinen Sohn. Lieber junger Christ. Ein Begleiter auf Ihrem Lebensweg sei das Kreuz, steht in dem Brief, mit blau eingedruckter…
