Autor: Karin Peschka

  • Flieg, Dostojewski, flieg!

    Am Ende ist nichts geordnet Ich nehme. Meine Bücher, meine Bänke, meine Polstermöbel und werfe alles auf die Straße. Der Tisch fliegt hinterher, ein Drachen aus Holz, dem das Segeln nicht gelingt. Ich nehme. Die Bildung, die ich nicht habe, die Wörter, die mir fehlen, die Geduld, die sich verbirgt. Und stelle alles, in Müllsäcke…

  • siebensiebenneun

    die luft riecht nach warmem asphalt. man muss einatmen und sich an etwas erinnern. eine frau mit goldenen sandalen, in kurzem rock und gelbem t-shirt, unter blauem schirm. draußen, zwischen donner und regenschauern. wir, in der straßenbahn geschützt, sehen zu, wie sie sich bückt. die schuhe auszieht, barfuß weitergeht, grazil, eine vorsichtige katze. die nackten sohlen…

  • Schneller Durchlauf

    Es riecht nach Maiglöckchen und nassen Socken Ich schnappe mir ein Buch und wandere die zweieinhalb Stockwerke hoch zum Dachgeschoss, die Wäsche wird gleich fertig sein. Hoffentlich. Manchmal spinnt der Wasserzulauf oder der Schleudergang, dann blinken vier Nullen und die Wäsche ist seifig oder tropfnass. Die Hausverwaltung fühlt sich nicht zuständig, die Hausmeisterin glaubt nicht,…

  • Thumbs up, Mr. Gibb!

    Wie man 40 plus von den Stühlen reißt Ach, tönte ich durch die vergangene Woche, Sonntag wird toll, AC/DC im Praterstadion, meine Freundin Andrea und ich mit heißbegehrten Karten bestückt und bereit zum Abrocken mit den Hardrock-Opas. Aber vorher (seufz), am Freitag, da muss ich noch zu Robin Gibb. Mein Freund ist Fan. Was man…

  • Wir sind Schweine

    Gebt mir Vulkanausbrüche und große Kometen Auf der Suche nach einem windstillen Platz. Durch Wien getrieben, den Bus angestarrt, eingestiegen. Im alten AKH liegen Frauen in der Wiese, barfuß, sonnen ohne Sonne. Die zieht sich Wolken vors Gesicht. Kein Regen. Aber der Wind, man kann nicht auf Bänken sitzen, ohne zu frieren. Weiter, die Strudlhofstiege…

  • Das Unding Zeit

    Nimm mich mit auf die Reise Die Zeit, dieses Unding, könne man sich vorstellen als etwas Körniges. Ein Granulat mikrowinziger Teilchen, unregelmäßig, ohne Norm. So, so ähnlich oder ganz anders. Nichts verstanden beim Zuhören, allein das Bild blieb hängen vom Körnigen, das uns umgibt, nach vorne, nach allen Seiten, rückwärts gewandt, nach innen – wir…

  • Menschentrösten

    Auf einmal ist’s genug Draußen huscht die Nacht vorbei mit grün, gelb, blauen Lichterketten, kalte Luft, verwischte Neonfarben im Rabenschwarz. Gestern um diese Zeit Punsch am Eferdinger Schlossadvent, Gedränge und Geschiebe in den alten Kellergewölben und Festräumen, die einheimische Schickeria trifft sich im Schlosshof beim Stand der Kiwanesen, das normale Volk säuft sich quer durch…

  • Nachtlauf durch München

    Ich laufe in mir mit mir mit München, sag ich, Du entkommst mir nicht. Nachts um halb zehn zwieble ich mich ein, Laufhose, dicke Socken, T-Shirt, Jacke, darüber etwas Ärmelloses, auf den Kopf die Haube, um den Hals den Schal, in die Tasche den rudimentären Plan der Innenstadt aus der Hotellobby. Drei Tage in der…

  • Rumpelstilz und Taj Mahal

    Vor mir ein Gebirgsmassiv Seit gut zwei Wochen legt sich beim Versuch, einfache Texte zu schreiben, alles quer im Denken. Querdenken, querschreiben. Klingt gut, ist aber nicht. Zumindest weiß ich, was blockiert. Zumindest steh ich vor dem Gebirgsmassiv, das mich am Weiterkommen hindert, und such nach einem Pass. Holger, sag ich einem Freund am Telefon,…

  • Insekt unter Insekten

    Urlaub bei den Eltern Bevor man sich in den Pool begibt, säubere man ihn mittels bereitgestelltem Käscher von toten und fast toten Insekten. Urlaub bei den Eltern. Der Pool ist ein aufgeblasenes Plastikrund, das Wasser brunzwarm. Also genau richtig. Ein Durchmesser von zweieinhalb Metern erlaubt das Treiben auf der Luftmatratze. Vögel singen. Die Nachbarkatzen verteilen…