Autor: Karin Peschka

  • Sag mir, ist es wichtig?

    So richtig wichtig ist es nicht Was machen Sie, wenn Ihrem Schlüssel ein vor das Schlüsselloch geklebter Zettel den Weg versperrt? Genauer: Sie wollen nicht rein, sondern raus, ins Freie. Sommer. Freunde treffen. Asphalthitze. Mädels! (Oder Jungs, je nachdem.) Sie würden sich zumindest wundern. Eventuell sogar den Zettel, auf dem offensichtlich etwas steht, nehmen und…

  • Wir sind vorbei

    Irgendwer muss noch die Flaschen wegräumen Wir stromerten durch die Stadt, am Sonntagabend, eine Stunde vor Beginn des WM-Finales. Während sich Wien auf das letzte Spiel einstimmte, war das Thema Fußball schon aus einigen Auslagen verschwunden. Die besten Beisl-Plätze (Schanigarten, freie Sicht auf Bildschirm) waren schon besetzt. Oder man wanderte zum „Public Viewing“. Während die…

  • Welche WM?

    Irgendwer muss Weltmeister werden Samstag. Also am Wochenende, an dem Deutschland noch im Spiel war. Mit fettglänzenden Fingern – es gab Gegrilltes – saßen die Jungs vor dem Bildschirm. Und während wir Mädels abwechselnd das kleinere Baby durch die Gegend schleppten und das größere mit Bilderbüchern zum Reinbeißen versorgten, tönte es Uiii! und Ohhh! und…

  • Ich mutiere

    Die Zeichen sind so subtil wie unübersehbar Die Zeichen sind subtil. Nein, ganz falsch. Die Zeichen sind Zaunpfähle, mit denen mir das Schicksal winkt. Sie sagen: Auch du wirst eine nervige Mutter sein. Eine, gegen die sich Jungmänner und -weiber nur mit wohlwollender Geringschätzung und lächerlichen Geschenken wehren können. Du nörgelst ständig, meint Johnny, und…

  • Der Werwolf in der Mauser

    Man kann Haare verlieren. Und die Nerven behalten. Ich komme von diesem blöden Sonnenuntergang nicht weg. Er legt sich über alle Versuche, eine ordentliche Einleitung zu finden. Dabei geht es gar nicht um Sonnenuntergänge. Mittlerweile wate ich durch verworfene Einleitungssätze, wie: „Kennen Sie ‚American History X‘?“ Oder: „Was haben Sie gestern verloren?“ Ich meinen Sinn…

  • Was red‘ ich

    Einen Cent für jeden Hunderterbund Worte Einen Cent für jedes Wort. Was red‘ ich. Einen Cent für jeden Hunderterbund Worte, den ich in den vergangenen sechzehneinhalb Jahren an Johnny gerichtet habe. Wir wären reich, mein Spross und ich. Heute red‘ ich nix. Weil ich erstens eh nichts verdiene damit und zweitens Halsweh habe, ansatzweise, was…

  • Nackt unter Nackten

     Störungsfrei in Schwefelbad Unterwegs auf Österreichs spannendster Telefonverbindung – auch Westbahnstrecke genannt. Gerüchte wissen, die ÖBB überlegt eine neue Art Telefonjoker: Raten Sie, wie viele Sekunden Ihr Gespräch überleben wird, bevor es sich frustriert aus dem Zugfenster stürzt. Sollten Sie gewinnen, schreiben Sie Namen und Adresse auf ein Taschentuch, schnäuzen sich einmal kräftig hinein und…

  • Hummer und Schmutzwäsche

    Von führenden Waschmittelpsychologen empfohlen Ein führender Waschmaschinenhersteller – nein, ganz falsch – ein führender Jugendpsychologe hat in einem seiner Bücher Heranwachsende mit jungen Hummern verglichen, die gerade wachsen, daher den Panzer abgeworfen haben und sich derart verletzbar in ihre mit Unrat gepolsterte Höhle (aka „Zimmer“) zurückziehen. Wobei der Unrat Trost spendet. Oder so. Ich hab‘…

  • Weihnachten mit Tempo 80

    Slow down in the night of the living dead Johnnys Untertitel zum diesjährigen Weihnachtsfest lautet: „Die Nacht der lebenden Toten.“ Wer Radio hört, weiß warum: Quer durch (fast) alle Radiosender durften in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember sämtliche Radioleichen fröhliche Urstände feiern. Wir hatten Stunden, um uns davon zu überzeugen. Wir fuhren…

  • Dividieren im Schnee

    Meine Eltern, die Schule und ich Meine Eltern sind gute Menschen. Warmherzig, gelassen, hilfsbereit. Mein Vater, der in jungen Jahren Rita Hayworth bekochte, deckt eine ganze Kleinstadt mit Weihnachtskeksen ein (ganzjährig). Meine Mutter bestrickt nicht nur charakterlich, sondern auch tatsächlich: Gib ihr einen Knäuel Wolle, sie macht daraus einen Pulli, den du nie wieder ausziehen…