vierundzwanzigeinsvierzehn
24/01/2014
ist ein nichts. ein weh. ein licht. ist ein hier. ein ding. ein schnee. ist ein so. ein so, ein dort. ist ein eben. ein jetzt. ein fort. ist ein mai der kommen mag. ist ein tag, ein nacht, ein tag. ist ein ein. kein zwei. kein ich. ist ein nicht, kein weh, kein licht. ist ein ruf, ein laut, ein ton. ein wandern ist es auch. ein weg. ein zweck. ein ruh‘. ein kalt. ein hell. ein glas. ist ein wand. ein hand. darauf ein tasten, drücken. ein hinsichbücken. ist ein nichts, sag ich, ein nicht. ist ein weh. ein ding, ein schnee. ein rabenvieh, ein hund. ein ist. ein nie. ein weit, ein leer. ein: ich will nicht mehr.
siebzehneinsvierzehn
17/01/2014
nebel leichtes leichentuch. alles, alles. erdbraun und felder, worauf es sinkt. will auch sinken. den kopf öffnen. hat sich darin ein bild verfangen, gestern, von einer bleiernen schale. ist nur licht auf einem kuppeldach. stilles geprotze. ob der mond sich darauf abstützt oder es weit von sich schiebt. hier, über den feldern, will es schweben. angehoben will es werden.
vierundzwanzigsiebendreizehn
24/07/2013
putz‘ die farben aus, sagst. nimm die leinwand da hinten, wasch‘ die farb‘ aus den pinseln.
wo’s tropft doch draußen, auf straße und erd‘. vorm haus ist ein grenzstein, da sitz ich und wart‘. worauf wartest? auf’s wetter. weil, der tag hält die hand in die wolken, quetscht sie über’s dach. ein sturm übt den aufstand und sammelt die truppen. schmeißt um sich mit blättern und plastik und bomben, reißt an sich, was los‘ ist, was fest ist, reißt mich von dem stein fort und wirft mich hinein in sein tobendes herz.
geh‘ schlafen, gib ruh‘, sagst. und drehst dich zur leinwand. wischt aus den pinseln, was drin‘ ist an farb‘.
vierfünfdreizehn
04/05/2013
fliegen tausendfach. fliegen. tausendfach. käfer, bienen, insekten, gegräse. blumen. dahinter rasenmähermotorlärm. am schornstein die amsel positioniert. verschluckt sich am ton, rülpst laute, zwitschert. am himmel erst nix, dann flugzeug, dann schall. die sonne zwickt. der wind. der wind. rauscht, weht und fängt. trägt höher die welt, höher. grün, von ästen durchzogen. schattiert, gelichtet, verdichtet. wolken mit dunklem rand. schwergebäuche. schiebt sich ins blau.
siebenundzwanzigsechszwölf
27/06/2012
ich ich ich. habe die trauer fern zu halten. schiebe zwischen uns gelb-orangen duft. himmelbäume. samt-nacht. zeige ihr den halben mond. zeige ihr lichtloses schattengrün. sie findet sich, sie findet mich. in dunklen wellen. sie findet sich, sie findet mich. in ebbe und flut. sie liegt an stirn und brust. gezeitigt mich. höhlt aus, unterspült. räumt, wäscht, raubt. schläft dann, eingegraben, den leichten schlaf der wachsamen. atme flach, sie nicht zu wecken. zumindest eine zeit.
elffünfzwölf
11/05/2012
jetzt ist die zeit, in der sich alles aus dem tag löst, einen schritt nach vorne tut und verharrt, bevor es in die nacht zurückweicht. diesen moment suche ich, diesen moment will ich haben. eines schreitet, das andere steht still. nichts atmet. dann tut das andere den schritt und dehnt sich kurz in den raum. die straßenbahn fährt über die brücke zur taborstraße, ich sehe nach rechts zum fenster, dort mischt sich rot und gold und blau mit nachtluft und wasser. sofort sehne mich, über’s leben hinaus.
vierundzwanzigvierzwölf
24/04/2012
weil das so ein wirbeln war, muss man den blick kaltmachen. wenn man durch die stadt fährt. und glaubt, es stünde einem zu, nackt zu sein. dann sprengt sich etwas, das nur weiß ist. es regnet die trümmer. man hält alles zurück. hört auf mit dem wollen. in meiner brust kreist das sehnen.
einundzwanzigvierzwölf
21/04/2012
wir stellten uns rücken an rücken, verschränkten die arme. ich lass‘ dich nicht fallen, sagte er, beugte sich vor und hob mich auf. bewegte sich ein wenig. meine arme, meine beine, alles an mir war schweres holz. die bewegung lockerte, was sich festgesetzt hatte. mit zurückgelegtem kopf war ich ein bogen, ein dach, von dem alles abfloß, die harten gesichter in der u-bahn, die raumlose enge der letzten zeit, die last, die ich nicht annehmen müsste und nicht ablehnen kann. es war fast, als hätte man mich aus einem fluss gehoben und ans ufer gelegt. mehr war nicht nötig an diesem tag.
siebzehnvierzwölf
17/04/2012
alles ist heut‘ langgezogen, das aufwachen zieht sich hin bis jetzt, bis zum abend. dazwischen der tag in seinen details: die straßenbahnen fuhren mit angezogenen bremsen, drinnen drehten sich gesichter in zeitlupe zum licht, aus dem licht, man hielt den atem nicht an, aber atmete aus und ein in dreifacher dehnung. knie schoben sich mir in den weg, taschen, menschen, geräusche, schleier und schatten. ich wollte aussteigen, als wir in der station ankamen, und ich kam immer noch an und wollte immer noch aussteigen, war schon zig-mal angekommen und ausgestiegen, als man endlich hielt. hinter uns drängte die verdichtete zeit oder der verdichtete tag, nahm mich ein und mit und dann. grab‘ mir ein loch in die brust. ich trinke schwarzen tee und wermut im wechsel, heiß und bitter. heute ist alles verwehrt, das aufwachen, das denken. wer weiß, wie es mit dem einschlafen sein wird.
Vor dem Fenster zwei Vögel
22/11/2011
Vor dem Fenster zwei Vögel. Der eine fast tot, er ist durch das Glas geflogen und hat seinen Körper zurückgelassen. Wuchtig gebrochenes Genick. Ein Bersten, ein Knall. Ein Klang. Ich sehe auf, als ich das Sterben höre, schaue durch das Fenster auf das Zurückgelassene. Dünne Knochen, braunweiße Federn, schwarze Punkte im geneigten Kopf, das sind die Augen, ohne Blick. Aus der weichen Form hebt sich ein Rest Leben, die Absicht, von hier nach dort zu fliegen, zurück auf den Zaun, zum Strauch im dämmernden Garten. Ich rühre mich nicht. Der zweite Vogel wandert auf und ab, bleibt stehen, betrachtet den anderen. Kehrt um, steht wieder. Still ist es. Allein der Tod werkt vor sich hin. Er gefriert im winzigen Geflecht der Adern, verzuckt knisternd im nussgroßen Hirn. In zentimeterlangen Muskeln. Da draußen stirbt etwas und verliert sich im Ausmaß, in dem seine Wärme vergeht. Daneben der andere Vogel sieht zu und weiß und weiß nicht, dann ist es ausgestanden und einer allein. Ich sehe weg und wieder hin. Das Fensterbrett ist leer, bis auf das Zurückgelassene.






