Kürzestprosa, jawohl! Erschienen soeben im Klartext Verlag als schönes Ergebnis des Wettbewerbes „Geschichten zum Mitnehmen“, den der Verlag im Herbst 2014 gemeinsam mit dem Literaturbüro Ruhr und der Funke Mediengruppe ausgeschrieben hatte. Zwei der kleinen Texte („Traktor„, „Am Morgen, am Pier“) sind von mir. Dank an die Herausgeber/innen: Gerd Herholz, Verena Geiger, Jens Dirksen, Ulli Langenbrinck.

"Die Sachensucherin" - Klartext Verlag, 2015

(Mein Kürzestprosatext „Traktor“ ist Text des Monats August des Literaturbüros Ruhr.) „Ich kann, sagte der Bauer, die Straße so verdrecken, wie ich möchte. Du kannst, sagte der Polizist und schob dabei die Kappe nach hinten, wischte sich den Schweiß von der Stirn, du kannst das nur, wenn du den Dreck wieder wegmachst. Und zwar gleich, sagte der Bauer, lachte und stieg hinauf die zwei Metallstufen seines Traktors, während – von weit hinten – ein Raunen anhob und im nächsten Moment zu einer Frau wurde, auf einem Motorrad mit breiten Reifen, und nichts nutzte das.“ (Weiterlesen? Hier steht der ganze Text.)

Gemaltes Gegenüber

24/07/2015

Mit Michael Hedwig verbindet mich ein umfangreiches Portfolio gemeinsamer Projekte (Peschka_Hedwig_2015). Da dem „Sterntaler“ somit wieder etwas Gebundenes folgen könnte, kleiner und handlicher, sind wir auf der Suche nach einem Verlag, der sich für unsere Bild-Text-Bild-Projekte interessiert. Projekte wie „Watschenmann-Schwärzungen/Ergänzung„, „BIteLDxt/TEbiXTld-Dialog“ oder „Tagwerk & Nachtarbeit“, hier ein Auszug aus der zwölfteiligen Serie:

(c) Michael Hedwig, 2014

Michael Hedwig, Nr. 12 aus der Serie „Tagwerk & Nachtarbeit – 12 Radierungen zu Texten von Karin Peschka“ (Zerkall Kupferdruckkarton, 250g, 27 x 38 cm), 2014

fuenfzehnviervierzehn

was nacktes. oder? getickte nacht zerteilt. in den büschen rascheln die vögel im schlaf. nicht die blätter: die vögel. oder katzen. könnten auch
ratten sein.

was stehst du am fenster? wieso greift nichts
nach mir, wieso ist oben, im hofdächergeviert,
der himmel bleidunkles anthrazit? gekipptes gebirge aus schwarzer schattierung, verkehrt lockt der gipfel. schauen muss ich, schauen.

das versteht doch kein mensch.

farbtupfer husten, hupen.

was nacktes? sicher.

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Donauwalzer III

31/12/2011

Nachdem Elfriede Grineiderl bei ihrem Franzl abgeblitzt ist („Geh Schatzerl“, hat er g’sagt, „i hob‘ do grad g’essn!“), zieht sie das Fräulein Anna-Maria Stachel auf die Tanzfläche im Pensionistenvereinslokal. Weihnachtsfeier! Lichterketten hängen glitzernd an den Wänden, die Damen sind schön gewandet und die Herren wohlwollend. „Fesch haben‘s das hergerichtet, gell“, sagt das Fräulein Anna-Maria zur Elfriede, die „ja, eh“ sagt und sich wieder der Aufgabe widmet, die Freundin auf den Donauwalzer einzurichten. Den Rest des Beitrags lesen »

Donauwalzer II

02/09/2011

Frau Jedlicek und Frau Otto tanzen. Frau Elberich und Frau Gertrude, niemand weiß ihren Nachnamen, tanzen auch. Frau Singer schwingt mit der Frau vom Pastor über das Pfarrsaalparkett, der Pastor selbst sitzt mit dem Pfarrer an der Bar. Dahinter steht die Irmi vom Schlachter Josef, das jüngste seiner drei Mädchen. „Vier“, sagt der Schlachter Josef. Ein Fleischfächer, denkt der prosaisch angehauchte Pfarrer angesichts der vier dicken Schlachter-Finger, mit denen ihm der Josef vor der Nase wachelt. „Ah, vier sind’s“, sagt der Pfarrer, und der Josef rülpst, bevor er meint: „Musst es ja wissen, hast’s ja tauft.“ Dann, zur Irmi: „Geh, gib ma noch a Bier.“ Irmi folgt. Den Rest des Beitrags lesen »

Donauwalzer I

22/08/2011

Frau Rot und Frau Devot tanzen Donauwalzer. Frau Rot führt, Frau Devot gibt sich hin. Sie versucht nicht mehr, dem großen Busen von Frau Rot auszuweichen. „Ach“, sagt Frau Rot, dreht sich und die andere schwungvoll im Kreis, „man spürt Sie kaum, Elisabeth, Sie sind ja eine Feder, ja, eine Feder sind Sie!“ Die Feder lächelt und summt zur Musik, den Kopf in den Nacken gelegt. Das Parkett wird weit, der Boden glatt, die Luft ist so geschwängert, wie Luft geschwängert sein kann und Elisabeth weiß gar nicht, womit. Der Reif an ihrer linken Hand, grüner Smaragd in ziseliertem Silber, klappert gegen Frau Rots Perlenarmband. Sie walzen durch den Saal. Am Orchester vorbei. Der erste Geiger zwinkert, einer der Bratschisten schüttelt den Kopf, die Harfenistin verzupft sich. Vorbei an den weißen Tischen und den besamteten Stühlen, vorbei an Honoratioren und feinen Damen, vorbei an Kellnern in Frack und Handschuhen. „Was ist ein Fernando-Botero-Weib?“, fragt einer den anderen. Den Rest des Beitrags lesen »

Rekontra

09/05/2011

Vier Herren sitzen am gewohnten Tisch im Café Sperl, im hinteren Eck, gleich an der getafelten Holzwand. Ein Schleier aus blauem Rauch schwebt über den Köpfen, Sonne scheint durch die Fenster. Herr Em rückt ein wenig nach rechts, weil vom Licht geblendet. Tausend Staubpartikel tanzen ihm fröhlich um die Nase. Em niest. Die Runde ergeht sich in Gesundheitswünschen. „Du hast ja einen Glorienschein, Em“, meint der Herr zu seiner Linken, und alle lachen. Nur Em nicht, er wischt sich die Nase, schaut streng und sagt: „Du sollst nicht reden, Radinger, du sollst reizen.“ Radinger stiert in seine Karten und reizt. „Pass“, sagt Hofrat Luber, der neben Radinger sitzt, die Lippen schürzt und mit dem Schnurrbart wackelt. Auch der Vierte am Tisch passt, übrigens ein sehr dicker Mann mit hochrotem Gesicht, er heißt Engelbert Zartfuß. Den Rest des Beitrags lesen »