Kategorie: kürzestprosa

  • Ljuba ist zu klein

    Aber nur für das Hotel, meint sie. Wie es zu der Aussage gekommen ist?  Für den Wir lesen-Blog des BVÖ durfte ich einen kleinen Text schreiben – und dort findet sich die ganze Antwort: „Ljuba ist zu kurz für dieses Hotel. Um im großen Fauteuil vor dem Kaminfeuer bequem sitzen zu können, zieht sie die…

  • „Die Sachensucherin – 55 kurze Geschichten“

    Kürzestprosa, jawohl! Erschienen soeben im Klartext Verlag als schönes Ergebnis des Wettbewerbes „Geschichten zum Mitnehmen“, den der Verlag im Herbst 2014 gemeinsam mit dem Literaturbüro Ruhr und der Funke Mediengruppe ausgeschrieben hatte. Zwei der kleinen Texte („Traktor„, „Am Morgen, am Pier“) sind von mir. Dank an die Herausgeber/innen: Gerd Herholz, Verena Geiger, Jens Dirksen, Ulli…

  • Mit dem Traktor ins Ruhrgebiet

    (Mein Kürzestprosatext „Traktor“ ist Text des Monats August des Literaturbüros Ruhr.) „Ich kann, sagte der Bauer, die Straße so verdrecken, wie ich möchte. Du kannst, sagte der Polizist und schob dabei die Kappe nach hinten, wischte sich den Schweiß von der Stirn, du kannst das nur, wenn du den Dreck wieder wegmachst. Und zwar gleich,…

  • Gemaltes Gegenüber

    Mit Michael Hedwig verbindet mich ein umfangreiches Portfolio gemeinsamer Projekte (Peschka_Hedwig_2015). Da dem „Sterntaler“ somit wieder etwas Gebundenes folgen könnte, kleiner und handlicher, sind wir auf der Suche nach einem Verlag, der sich für unsere Bild-Text-Bild-Projekte interessiert. Projekte wie „Watschenmann-Schwärzungen/Ergänzung„, „BIteLDxt/TEbiXTld-Dialog“ oder „Tagwerk & Nachtarbeit“, hier ein Auszug aus der zwölfteiligen Serie: fuenfzehnviervierzehn was nacktes. oder? getickte nacht zerteilt. in den büschen…

  • Donauwalzer III

    Nachdem Elfriede Grineiderl bei ihrem Franzl abgeblitzt ist („Geh Schatzerl“, hat er g’sagt, „i hob‘ do grad g’essn!“), zieht sie das Fräulein Anna-Maria Stachel auf die Tanzfläche im Pensionistenvereinslokal. Weihnachtsfeier! Lichterketten hängen glitzernd an den Wänden, die Damen sind schön gewandet und die Herren wohlwollend. „Fesch haben‘s das hergerichtet, gell“, sagt das Fräulein Anna-Maria zur…

  • Donauwalzer II

    Frau Jedlicek und Frau Otto tanzen. Frau Elberich und Frau Gertrude, niemand weiß ihren Nachnamen, tanzen auch. Frau Singer schwingt mit der Frau vom Pastor über das Pfarrsaalparkett, der Pastor selbst sitzt mit dem Pfarrer an der Bar. Dahinter steht die Irmi vom Schlachter Josef, das jüngste seiner drei Mädchen. „Vier“, sagt der Schlachter Josef.…

  • Donauwalzer I

    Frau Rot und Frau Devot tanzen Donauwalzer. Frau Rot führt, Frau Devot gibt sich hin. Sie versucht nicht mehr, dem großen Busen von Frau Rot auszuweichen. „Ach“, sagt Frau Rot, dreht sich und die andere schwungvoll im Kreis, „man spürt Sie kaum, Elisabeth, Sie sind ja eine Feder, ja, eine Feder sind Sie!“ Die Feder…

  • Rekontra

    Vier Herren sitzen am gewohnten Tisch im Café Sperl, im hinteren Eck, gleich an der getafelten Holzwand. Ein Schleier aus blauem Rauch schwebt über den Köpfen, Sonne scheint durch die Fenster. Herr Em rückt ein wenig nach rechts, weil vom Licht geblendet. Tausend Staubpartikel tanzen ihm fröhlich um die Nase. Em niest. Die Runde ergeht…

  • Fräulein Luise oder der kleine Lärm

    Der Morgen weht graues Licht durch die Straßen. Fräulein Luise und die anderen verlassen, zerschlissene Jacken umgeworfen, die nächtliche Gruft, ihr Asyl. Sie gehen, stolpern, hinken in den Park, zum Bahnhof, in Wärmestuben, aufs Arbeitsamt, zum Supermarkt, zum billigen Tetra-Pak-Rotwein, den sie teilnahmslos der Kassiererin unter die Nase halten, den diese teilnahmslos abkassiert, worauf in…